Um eins klar zu stellen: ein Fan von Sprichwörtern mit Kalauercharakter bin ich nicht. Eher mache ich mich darüber lustig. Doch wenn man ehrlich ist, dann stimmen diese Dinger. Klingt blöd, ist aber so. Es stimmt nicht viel auf dieser Welt – aber Sprichwörter stimmen. Zumindest wenn man will, dass sie stimmen und sie im passenden Moment anwendet. Doch gerade die oben genannten lustigen Beispiele mit Gähncharakter sind im Leben immer und immer wieder anwendbar. Tagtäglich begegnet man Menschen, die lebhafte Beispiele für den winzigen Wahrheitsgehalt dieser altkluganmutenden Ausdrücke sind.
Was ich meine? Menschen, die eigentlich nichts können, aber ihre große Klappe weit aufreißen. Dabei gibt es verschiedene Typen von Widerlich-Mensch:
Typ1: Die Mittelpunkt-Süchtigen mit Alleinglänz-Charakter
Dieser Typ Mensch ist besonders lästig. Er zeichnet sich durch eine besonders aufdringlich widerwärtige Aufmerksamkeitssucht aus, die ihn jeden Tag, jede Minute, in jeder Situation, in allen Lebenslagen – und wahrscheinlich auch noch im Schlaf – dazu bringt, sich wie ein nassgewordener Wellensittich aufzuplustern. Dies kann mittels der äußeren Erscheinung (was im seltensten Fall klappt), mittels Mimik und Gestik, mittels minderintelligenten bis geklauten Wortbeiträgen oder mittels extremst gezwungener Taten geschehen. Zu beachten ist in jedem Fall, dass egal was dieser Typ Mensch tut, sagt, vorgibt und von sich lässt, nicht ehrlich ist. Oftmals leidet dieser Typ an mangelndem Intellekt, fehlender sozialer Kompetenz und überhaupt: an einem Mangel an Allem. Sein allergrößtes Talent ist es jedoch, dies geschickt zu verstecken. Er blendet. Er täuscht. Er betrügt. Er gibt vor. Er lügt an. Und er fühlt sich gut dabei. Denn keiner bekommt es mit. Jeder fällt auf ihn herein. Dafür wird er belohnt. Mit Beliebtheits-Trophäen, mit Schulterklopfen, liebevollen Blicken, Lobeshymnen. Dieser Typ Mensch schläft dann mit dem tatsächlichen Gefühl ein, etwas Großes geleistet zu haben, unentbehrlich zu sein und ein attraktives Händeklatschen verdient zu haben. Ohne ihn geht es nicht. Seine Pseudosympathie erreicht er durch seine gespielte Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft. Diese ist jedoch keine. Sie ist vielmehr wieder die Möglichkeit für ihn positiv erwähnt zu werden. Aber Vorsicht: dieses besonders scheinheilige Exemplar ist ein Alpha-Tierchen. Er duldet keinen Zweiten an seiner Seite. Die Lobeshymnen gehören ihm allein – davon träumt er im Schlaf. Alle eventuellen sozialen Gegner werden ausgeschaltet. Ganz süß und superlieb. Aber nur vor den Anderen. Allein mit seinem Gegner wird er zum Luder und bedient sich jeglicher asozialer Eigenarten und Handlungsweisen um den verhassten Konkurrenten auch wirklich ins Abseits zu drängen. Wichtig: Er ist unfehlbar. Er ist nie das Problem, denn das Problem sind Andere. Everbody´s pseudo-darling mit gekreuzten Fingern hinterm Rücken.
Typ2: Der Mittelpunkt-Süchtige mit der Pseudo-Teamschnauze
Diese Gattung Mensch ist etwas weniger gefährlich wie Typ 1 – jedoch nicht minder ekelhaft. Im Großen und Ganzen unterscheidet er sich nicht von Typ 1. Auch er muss die Hauptrolle spielen, seinen Namen am Tag 20x hören, sein vom Fotografen-gemachtes Foto als Desktophintergrund verwenden und mit dem roten Teppich begrüßt werden. Der Unterschied zu Typ 1: er post doppelt so viel und ist doppelt so dumm! Sein Geltungsbedürfnis kann er, aufgrund der geringeren Zahl an funktionsfähigen Hirnzellen, nicht so geschickt verstecken. Er macht es öffentlich. Bescheidenheit ist eine Zier. Typ 2 ziert sich aber nie. Wichtig: Typ 2 hat eine kürzere Erscheinungsdauer, muss sich seine Wirkungsstätte öfter erneuern als Typ 1 – denn meist kommt ihm das Umfeld auf die Schliche und wendet sich, wenn auch oft zu spät, von ihm ab. Weiterhin ist anzumerken: Typ 2 gesellt sich häufig zu Typ 1. Die beiden scheinen im Team zu arbeiten, sich zu ergänzen, sich zu stärken und zu halten. Dies ist jedoch nur ein Trugschluss. Eine „Geschickt/Dumm – und Ungeschickt/Dumm – Symbiose“. Wie bereits oben erwähnt duldet Typ 1 keinen ebenbürtigen Widersacher an seiner Seite. Er lässt jedoch Typ 2 an seiner Seite gelten, denn dieser kann ihm nicht das Wasser reichen und stellt keine Bedrohung dar. Vielmehr dient er dazu das Selbstbewusstsein von Typ 1 noch weiter zu stärken, denn Typ 2 ist ein Hinterherläufer, Poabwischer und Roter-Teppich-Ausroller. Doch wieso macht das Typ 2, wenn er doch selbst ein so großes Geltungbedürfnis hat? Er * mit dem fehlenden Intellekt* meint, im Windschatten von Typ 1 mitfahren zu können, etwas von dem Ruhm und Lob abzubekommen. Ihm reicht es schon, in einem Atemzug mit der königlichen Hoheit Typ 1 erwähnt zu werden. Ist dies geschafft heißt es: Strike. Gewonnen. Das reicht. Mehr fasst das Hirn in kurzer Zeit sowieso nicht. Eine lässtige kleine Schmeißfliege mit Anbiedercharakter und 5 von 5 Ekelhaftpunkten.
Typ3: Der Bescheiden-Tuer mit Hinterhältigkeitsfaible
Eine weitere unausstehliche Form von Individuum ist Typ 3. Dieser zeichnet sich durch einen extremen Ehrgeiz aus. Ein Ehrgeiz, der sich auf alle Bereiche des Lebens erstreckt. Privat, beruflich, am Tag, in der Nacht, bei Fremden, bei Freunden, im Alltag. Diesen Ehrgeiz entwickelt Typ 3 aufgrund einer sehr hohen Erfolgsambition. Das Gefühl der oder die Beste von allen zu sein macht auch vor dem Privatleben keinen Halt. Das Schlimme ist: oftmals zeigen alle Aktionen dieses Typs auch Wirkung. Er oder sie verwendet die Methoden des Aushorchens, Abkupferns und Nachmachens um jeden Anderen zu überholen. Alles wird nur zum eigenen Vorteil gemacht. Soziale Kompetenz wird vorgetäuscht. Dahinter steckt Berechnung und das Bestreben nur die eigenen Ziele zu erreichen. Um den vermeintlichen Gegner in Sicherheit zu wiegen, stellt sich Typ 3 auf die Stufe des Gegners. Frei nach dem Motto „Ach, ich hab auch noch nichts gelernt für die Prüfung. Bei mir wird das eh nix“. Der Gegner ist beruhigt, vertraut sich weiter an. Er hat Vertrauen geschlossen zu Typ 3 und merkt dabei gar nicht, dass Typ 3 eigentlich schon alles gelernt hat und das Ausfragespiel nutzt, um den Stoff zu wiederholen.
Typ4: The mix at its best!
Die Welt ist voll von ihnen. Schade eigentlich.



UND WAS NUN?