Höher. Schneller. Weiter. – Dieses Motto ist irgendwie nicht nur Motto im sportlichen Sinne, sondern irgendwie auch im Sinne des gesamten Universums. Der Mensch, bekanntlich ein Mängelwesen, hat bei seiner Entstehung irgendwie ein kleines, feines, aber sehr nerviges Gen abgekommen. Das Verbesser-Gen. Der Mensch muss immer alles verbessern. Er muss Dinge schneller, schöner, leichter, schwerer, kleiner, hygienischer, lauter, leiser, aerodynamischer, wuchtiger, imposanter, höher, tiefer, skurriler, normaler, abgehobener, minimalistischer, protziger und weltverbessernder machen. Fortschritt ist ja gut. Keine Frage. Aber hält das ständige Forschen nach dem Fortschritt nicht manchmal auch ein wenig auf? Lässt es den Menschen nicht schon wieder zurück fallen? Zeitlich und auch geistig? Es engt ein, es macht Druck, es bestimmt, es reguliert es drängt. Der Fortschritt bleibt dabei auf der Strecke.
Beispiel: Die Kaffeemaschine.
Die Läden, Versandhäuser und TV-Bildschirme werden überhäuft mit Angeboten. Angeboten, die protzig gepriesen und modern verkauft an den Kunden verdingdangelt werden sollen. Angebote, die das Leben so erheblich einfacher machen und den Lebenswert ins Unermessliche steigern. Angebote wie die ultramodernen neuen Eins-fix-drei-der-Style-Kaffee-ist-fertig-Maschinen. Ein Pad rein, Knopf gedrückt und da steht es: das Szene-Getränk, bestehend aus einer Mischung Lifestyle, Minimalismus und Komfort, gemixt mit etwas Sirup, Sahneschaum und auch etwas “Rotem-Teppich-Gefühl”. Ach ja. Kaffee war auch noch drin. Impliziert wird damit, dass das Leben jetzt schneller geht, das Leben einfach bunter ist und man sich schon am frühen Morgen wie ein VIP fühlen kann, weil man einen self-made-Latte trinken kann. Da kann man auch gleich darüber hinweg sehen, dass der Bademantel, den man trägt an der Seite auftrottelt und die Haare noch nicht gekämmt sind. Trotzdem ist man irgendwie hip. Außerdem sehen die Maschinen ja auch sehr dekorativ aus. Wie hypermoderne Raumschiffe im Raum-Zeit-Kontinuum stehen sie da, werden längst zu einem unentbehrlichen Accessoire der Wohnungseinrichtung. Man sollte eine haben, auch wenn man gar keinen Kaffee trinkt.
Das ist er also. Der Fortschritt. Doch warum schreiten wir mit der Kaffeemaschine voran? War die Alte nicht mehr gut genug? Schmeckt der Kaffee denn nicht, wenn er nicht aus einem spacigen Automaten-Raumschiff geschossen kommt? Der Druck sich eines solchen Apparates anzunehmen ist groß. Vor allem wenn man zu Hause noch eine gut funktionierende Alte (gemeint ist die Kaffeemaschine) hat. Der Fortschritt wandelt sich zu einem Rückschritt. Denn was ist mit dem schönen, klassischen Blubbergeräusch, wenn die Retro-Maschine den braunen Zaubertrank anrührt. Es geht nichts über das Einfüllen des gemahlenen Kaffees in den Filter. Es geht nichts über den 4. Löffel Kaffee (für den Geschmack). Schon das Falten der Falter- äh-Filtertüten ist ein Ereignis. Und der Geruch, der sich breit macht, während die Maschine den Kaffee verkochblubbert…traumhaft. Das riecht nach reichhaltigem Frühstückstisch, nach zu Hause, nach Wohlfühlen und Mensch sein. Diese 10 Minuten werden einem mit dem vermeintlichen Fortschritt gestohlen. Es kann nicht schnell genug gehen in dieser Gesellschaft. War der Mensch bisher “gezwungen” diese 10 Minuten mit der Retro-Maschine zu verbringen, am frühen Morgen auf sie zu warten, durchzuschnaufen, tief einzuatmen und einfach Mensch zu bleiben, so ist er jetzt zur Schnelligkeit verdammt. Die neuen Maschinen nehmen einem ein schönes Ritual. Sie geben einem nur Schnelligkeit und ein “to-go-Gefühl.”
Zu-Hause-to-go. Widerlich. Mal ehrlich sein – wer will das schon
To-go für das Zuhause-Gefühl. Eine Welt der Verbesserung voll mit kaltem Kaffee.
Höher. Schneller. Weiter. – Dieses Motto ist irgendwie nicht nur Motto im sportlichen Sinne, sondern irgendwie auch im Sinne des gesamten Universums. Der Mensch, bekanntlich ein Mängelwesen, hat bei seiner Entstehung irgendwie ein kleines, feines, aber sehr nerviges Gen abgekommen. Das Verbesser-Gen. Der Mensch muss immer alles verbessern. Er muss Dinge schneller, schöner, leichter, schwerer, [...]
Special Comments
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für den kleinen kaffee zwischendurch mal eben ist so eine pad-maschine was feines.
für ein ordentliches frühstücksgelage ist eine richtige kaffeemaschine natürlich weitaus besser.
dementsprechend habe ich auch beides in der küche stehen


UND WAS NUN?