Studis sind ja immer anders. Wer´s glaubt…?!

„Ich werde mein Profil sofort löschen.“, „Das ist kommerziell.Unverschämt.“, „Verkauft und verraten!!!“ – so tönt es gerade aus deutschen WGs. Es geht um Studivz.
Kurzer Hintergrund:
http://www.studivz.de/ – jeder kennt es. Jeder ist irgendwie dabei. Es handelt sich dabei und um eines der letzten Web 2.0-Babys. Eine Plattform, auf der man sich präsentieren und produzieren kann, wie [...]

Die Welt ist eigentlich ein großer Topf Kräuterquark in dem sich Quark, Pfeffer, Salz und Lauch mit menschlicher Arroganz, Dummheit und Überheblichkeit zu einem Geschmackskonglomerat vermischen und einen beißenden Nachgeschmack hinterlassen. Mahlzeit!

„Ich werde mein Profil sofort löschen.“, „Das ist kommerziell.Unverschämt.“, „Verkauft und verraten!!!“ – so tönt es gerade aus deutschen WGs. Es geht um Studivz.

Kurzer Hintergrund:
http://www.studivz.de/ – jeder kennt es. Jeder ist irgendwie dabei. Es handelt sich dabei und um eines der letzten Web 2.0-Babys. Eine Plattform, auf der man sich präsentieren und produzieren kann, wie es viele gibt. Früher waren es die Flirtplattformen neu.de, ilove.de oder myflirt.de. Dümmliche Plattformen auf denen sich Hinz und Kunz mit lächerlichen Fotos präsentieren um „Menschen kennen zu lernen“, „Freunde zu finden“ oder einfach nur: um passende Sexualpartner zu finden. Oftmals mit der Hintergrunderklärung: ich bin neu in der Stadt und finde es schwer Menschen kennen zu lernen, ich will einfach nur Kontakte finden. Mehr nicht. Da lach ich doch dreckig. Plattformen für alle, denen es einfach nur schwer fällt, soziale Kontakte mit normalen Menschen aufzubauen. Da flüchtet man sich in diese Plattformwelt. Hier kann man super „Menschen kennen lernen“. Wie jetzt? Weibchen, mit Bildern, halbnackt, am Strand liegend, vor dem Sonnenuntergang posierend, mit lasziven Blicken. Und Männchen, mit Bildern ihres Sixpacks. Am besten noch schwarz-weiss oder Sepia-Tönung. Menschen kennen lernen? Hmm. Ja. Stimmt. Das kann man gut, per Foto. Da muss es dann schon zum Treffen kommen. Vorher aber noch schnell registrieren, die Handynummer der Plattform preisgeben, SMS-Codes eingeben. Und dann hin- und hersmsen. Mehr ist das nicht und wird es auch nie sein. Poppplattformen. Und so loggt sich jeder ein, der Rang und Schulden hat, ob dumm, verzweifelt oder sogar vergeben (”is doch schließlich nur ein Umgucken.”). Stimmt. Aber war nicht, laut Studivz, Flirten der bucklige Verwandte des Fremdgehens? *confused*. Man schaut, liest, postet, smst: Für die lustige Nacht – zu zweit oder zu dritt. Nach dem Treffen heißt es dann: zu mir oder zu dir? Mehr kann es nicht sein – da helfen keine Erklärungen. Eine erbärmliche Gesellschaft ist es in der wir leben. Peinlich und einfach nur bemitleidenswert die Gestalten mit ihren lustigen Fantasienamen und ihrem Alter hinten dran gehängt. Damits auch auf den ersten Blick gleich sichtbar ist, ob er oder sie ins Beuteschema passt. Sweetgirl25 und Hotboy28. Im Profil von Sexyhotgirl24 steht bei der Rubrik “Was mich ausmacht:” “wär es nicht wichtiger zu wissen, was mich anmacht?” Der Klassiker. Besonders kreativ, wie ich finde. Oh Herr, schmeiss Hirn vom Himmel. Bei Beziehungsstatus steht “vergeben”. Hmm. “aber ich suche jemanden, mit dem ich reden und meine Freizeit verbringen kann.” Knick Knack. Schlimm, wenn man das mit seinem Partner nicht kann. Noch schlimmer ist es, wenn man dafür Geld zahlt, dass man sich die Fotos auch in “groß” angucken darf. Da sieht man dann Hotmarcel23 beim Posen vor dem Auto genauer. Und man kann die Farbe der Unterwäsche von Cutesexyhotgirliemausi25 auch genauer betrachten. Is ja schließlich wichtig beim “Menschen kennen lernen”. Jeden Tag wird sich lustig einloggt in der Hoffnung es hätte jemand etwas ins Gästebuch geschrieben, ein heißes Foto kommentiert oder eine PM geschrieben. Das kann eben auch eine Tagesbeschäftigung sein, oder?

Studivz ist natürlich anders. So heißt es. Ist es nicht. Eine getarnte Partnerbörse mit Poppcharakter voller Studenten – und Friseurinnen, die einfach „Student“ angeben. In ihren Gruppen heißt es dann: „Psst…ich bin gar kein Student.“ Ach nee. Hätte man bei dem Gesicht auch nie rausgekriegt. In der Rubrik „Was suche ich“ steht dann: Sprachpartner und Partner für Lern- und Übungsgruppen. Das ich nicht lache.
Posieren, sich darstellen, 1000 Fotos hochladen. Von XY in der Wohnung, am Strand, beim Teneriffa-Urlaub, vom Grillen auf dem Balkon. Purer Voyerismus. Mehr nicht. Alles wird angegeben: der Studiengang, die ICQ-Nummer, das Geburtsdatum, die Handynummer.
Man kriegt einfach alles über Personen raus. Die Gruppen sind vielsagend: man weiß manchmal mehr als über einen selbst. Man weiß wer mit wem befreundet ist, wer grad seine Diplomarbeit schreibt, welche Seminare besucht werden, welches Fabrikat der Computer ist, welche Krankheiten die Person hat, wie das bescheuerte Haustier heißt, zu welchen Partys wer wann geht, welche dümmliche Nebenjobs derjenige hat und welche Lieblingsalkoholitäten er oder sie zu sich nimmt. Alles. Einfach alles wird dargeboten. Es bedarf nur ein paar Klicks und schon glaubst du die Person 10 Jahre zu kennen.

Nun versuchte Studivz die Geschäftsbedingungen zu ändern. Man wolle die Daten an Dritte weitergeben, heißt es. Und schon hagelt es Protest. Der gemeine Student fühlt sich ausgenutzt und droht sofort damit sein Profil zu löschen. Lächerlich.

Daten an Dritte weitergeben? Studivz will mit uns gemeinen umweltbewussten, den Kommerz ablehnenden Weltverbesserern Gewinn machen? Das kann doch nicht wahr sein. Wir Studenten wollen weiterhin, dass studivz mit den kleinen Werbegewinnen 3.Welt-Länder unterstützt und Forschung und Wissenschaft voran treibt! Alles andere wollen wir nicht. Dafür protestieren wir ab morgen. Wir streiken. Wir treten in einen Kommerz-Streik. Wir bauen von nun an unser Essen selbst an, leben autark, verweigern Brot aus dem Supermarkt und laufen nur noch, fahren keinen Zug mehr und entschuldigen uns bei jedem Schritt, mit dem wir Mutter Erde, unser Lieblingsplanet, belasten. “Sorry Erde.”, “Tut mir leid Gras, ich muss hier lang.”, “Ach Bordstein, Ich muss hier kurz mal auf dich drauf treten.”.

Lächerlich. Die Daten sollten geheim bleiben? Warum?
Hat der gemeine Student mit seinem Profil sein ganzes lächerliches Sauf- und Partyleben nicht schon der ganzen Welt gezeigt? Da macht es auch keinen Unterschied mehr, wenn Umfrageunternehmen oder Zeitungsabo-Mafias nun auch bei ihm anklingeln.

Macht einfach weiter so. Ein hoch auf Gruppen wie:
„ Ich glüh härter vor als du Party machst.“

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