In einer Demokratie ist der Mensch frei, kann tun und lassen was er will, solange es legal ist, er kann der Religion seiner Wahl folgen, er kann wählen was er will und er hat ein Recht auf Meinungsfreiheit. Und damit man sich seine eigene Meinung auch frei bilden kann, muss man die Möglichkeit zur Meinungsbildung haben. Freie Meinungsbildung? Gibt es so etwas überhaupt?
Im Fernsehen und Hörfunk bietet dabei der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Möglichkeit der freien Meinungsbildung – im Idealfall zumindest.
Doch wie ist es im Internet? Wie in allen Medien steht hier natürlich das Agenda Setting ganz weit oben. Ganz grob gesagt, beschreibt das Agenda Setting das Setzen von Themen durch Massenmedien. In kommunikationswissenschaftlicher Betrachtungsweise bilden dabei der Agenda Setting Approach und die Schweigespirale eine wichtige Diskussionsgrundlage für Medienwirkungsforschung.
Doch wer maßt sich eigentlich an, ein Agenda Setter, ein Agenda Cutter oder ein Gatekeeper im Netz zu sein? Vor allem in Netz sind Blogs die neuen Meinungsführer – sagt man zumindest. Sie schreiben über sich selbst, über andere. Sie decken auf, manche denunzieren, manche nehmen in Schutz. Einige betreiben Lobbyarbeit, einige versuchen auch einfach nur einen hohen PageRank zu erzielen um dann von Werbeeinahmen zu leben.
Wie kann man als Internetnutzer aus diesem Blog-Wirrwarr erkennen, welche Absichten hinter dem Geschriebenen stehen. Ist die Meldung wirklich eine Meldung oder ist der Blogeintrag weniger wichtig als das eigentliche „Popstar-Gefühl“ des Bloggers? Blogstar statt Popstar?

Wer sagt eigentlich was wichtig ist? Wie geht es, dass man mit kleinen geschriebenen Geschichtchen bestimmen kann, worüber man heute zu reden hat? Wer kontrolliert das Geschriebene auf Wahrheit? Ist es nicht eigentlich ein Kinderspiel, ganze Existenzen mit einem Artikel zu gefährden, Rufmord zu begehen oder Unwahrheiten zu verbreiten?
Alle reden vom Datenklau im Internet. Alle verfluchen Social Communities und prüfen ihre technische Versiertheit auf Herz und Nieren. Doch wer prüft Hobby-Autoren und deren vermeintliche Leidenschaft, Ungereimtheiten und Schlammgeschichten aufzudecken um möglichst viele Klicks auf ihre Seite zu bekommen und möglichst weit oben in den Deutschen Blogcharts zu stehen?
Oder ist der Mensch am Ende selbst Schuld, wenn er allen Blogeinträgen unkritisch folgt, nur weil es eben gerade ganz bequem ist? Der BILD-Zeitung glaubt man doch „offiziell“ auch nichts mehr. Warum also so unkritisch sein mit Blogstar & Co.? Ist der Mensch zu faul, alles kritisch zu hinterfragen. Ist es doch so unheimlich bequem, die Meinung vorgefertigt im Feedreader präsentiert zu bekommen. Schließlich teilt man die dann auch mit ganz vielen und muss sich keinen unliebsamen Diskussionen stellen. Immerhin kann der Kopf auch schon einmal ganz schön rauchen, wenn man beginnen würde, sich mit allen Dingen, die man liest auseinander zu setzen. Das nervt, macht Arbeit und Hirndreck. Brauchen wir also Gatekeeper, weil wir uns sonst im Newsdschungel zwischen allen News-Lianen und Headline-Büschen verlaufen würden? Wären wir leer, wenn uns nicht immer jemand sagen würde, was gerade wichtig ist?
Mit dem Web 2.0-Zeitalter, welches zunehmend Authentizität durch Hobby-Journalisten mit Dilettantismus und Selbstdarstellung zu verwechseln scheint, hat sich die Notwendigkeit einer neuen Art von Medienkompetenz herausgebildet. Dass man seine Daten nicht öffentlich im Netz zur Schau stellen soll und dass man fremdartige Anhänge in E-Mails nicht bedenkenlos öffnen soll, das hat sich wohl nun jedem vermittelt. Doch ist auch jedem klar, dass die Selektion des Geschriebenem im Netz mindestens genauso wichtig und persönlichkeitsschützend ist? Nein, denn das ist neu und sollte in Zukunft Bestandteil medienwissenschaftlicher Betrachtungen auch an Universitäten und Fachhochschulen sein.
Und wie es jetzt eben richtig wäre: auch dieser Artikel sollte wahrscheinlich auf seine Richtigkeit überprüft werden – denn wer weiß eigentlich, warum ich das geschrieben habe?
Tags:AgendaSetting, Black, blog, Gatekeeper, Medien

UND WAS NUN?