Wenn Unternehmen zu Parasiten werden.

Kennt ihr die Situation? : ihr bereitet wochenlang etwas vor, plant es, organisiert es, zum Beispiel eine Geburtstagsfeier für einen guten Freund – so als Überraschungsgeschenk. Dann findet das Ganze statt, es ist gigantisch gut, wirklich schön und dann kommt jemand zur eben genau dieser Party in einem echt krass-komischen Outfit mit einer noch krass-komischeren [...]

Die Welt ist eigentlich ein großer Topf Kräuterquark in dem sich Quark, Pfeffer, Salz und Lauch mit menschlicher Arroganz, Dummheit und Überheblichkeit zu einem Geschmackskonglomerat vermischen und einen beißenden Nachgeschmack hinterlassen. Mahlzeit!

Kennt ihr die Situation? : ihr bereitet wochenlang etwas vor, plant es, organisiert es, zum Beispiel eine Geburtstagsfeier für einen guten Freund – so als Überraschungsgeschenk. Dann findet das Ganze statt, es ist gigantisch gut, wirklich schön und dann kommt jemand zur eben genau dieser Party in einem echt krass-komischen Outfit mit einer noch krass-komischeren Geschichte und zieht so alle Aufmerksamkeit auf sich. Die Party ist irgendwie zweitranging geworden, das Geburtstagskind steht im Hintergrund, eigentlich ist das alles nur noch eine One-Man-Show und ER wird das Gesprächsthema des nächsten Tages …- kennt ihr? Klar, solche Situationen gibt es im Alltag im Großen wie im Kleinen. Und natürlich gibt’s das alles auch im….na,…wo?…genau: im Marketing.

In dem Fall würde sich der One-Man-Show-Gast mit den Worten: „Guten Tag, mein Name ist Ambush. Ambush-Marketing.“ vorstellen.

Zur Erklärung:

Unter Ambush Marketing (auch Parasite Marketing oder Schmarotzermarketing genannt) versteht man Trittbrettfahrer-Marketingaktivitäten, die darauf abzielen, die mediale Aufmerksamkeit eines Großereignisses auszunutzen ohne selbst Sponsor des Events zu sein. Der Begriff ambush kommt aus dem englischen und bedeutet Hinterhalt. (Quelle)

Ist ja auch ganz klar. Wie eben in der heutigen Zeit alles teurer wird, so wird auch das Sponsoring der Großveranstaltungen eben sehr teuer. Da spart man sich eben schnell mal ein paar Millionen und springt auf den fahrenden Zug auf.

Beispiele für das negativ belegte Ambush-Marketing gibt es viele.Hier seien mal einige gezeigt:

Faceless-People-Kampagne

Zum Beispiel die Faceless People-Kampagne. Was gibt es Merkwürdigeres, als ein Pärchen, welches auf großen Sportereignissen zum Beispiel in Wimbledon 2008 auf fast jedem Bild auftaucht, oder bei einer Sex and the City- Premierenfeier Kim Cattrall die Hände schüttelt und dabei beide Masken tragen, die das Gesicht unkenntlich machen. Die beiden wurden schon als „Aliens“ bezeichnet und machten mit ihren Auftritten in letzter Zeit viel Furore.Der Name „Faceless People“ wurde gekonnt gestreut und schon beim leichten Kindergarten-Googlen kommt man auf die entsprechende Seite facelesspeople.com. Diese zeigt am unteren Bildschirmrand ganz deutlich das Logo der Automobilfirma Lotus und gibt einen Countdown für das Erscheinen des neuen Lotus Eagle (wahrscheinlich im Jahre 2010) an. Gekonnt wurde die Wimbledon-Kulisse also dafür genutzt – ohne auch nur einen Cent zu bezahlen. Tricky.

Nike und das Ambush

Schon im Jahr 1992 nutzt Nike das Sportereignis – nämlich die Olympischen Spiele -  für sich. Reebok sponsorte zwar die Gesamtveranstaltung –aber Nike zeigte sich als Sponsor der Pressekonferenzen des US-Basketball-Teams. Bei den Olympischen Winterspielen in Nagano 1998 sponsort Nike aus „unerfindlichen Gründen“ einen afrikanischen Langläufer. Dieser war von Anfang an Außenseiter, hatte überhaupt keine Chance, wurde aber zum Publikumsliebling, weil er eben ein überdimensionales Durchhaltevermögen zeigte. Als letzter, aber heldenhafter Sportliebling ins Stadion zu hecheln, brachte ihm volle Aufmerksamkeit – und Nike auch. Bei der Fußball – WM 1994 in den USA verteilte Nike beim Finale Brasilien-Italien ca. 60 000 Basecaps in den Brasilien-Farben mit dem Nike-Swoosh VOR dem Stadion – denn offizieller Ausstatter der Brasilianer war zu dem Zeitpunkt noch Umbro.

Golden Palace und die Flitzer

Die etwas primitivere Variante ist das Flitzertum. Auf sportlichen Großereignissen flitzt plötzlich ein Nackter mit aufgemaltem Werbeslogan über das Spielfeld und „erregt“ somit die Aufmerksamkeit der Medien. Die bekanntesten Aktionen sind die von Golden Palace-Flitzern, die schon während der Eiskunstlauf-WM im Jahre 2004 über das kalte Weiß flitzten. Goldenpalace.com ist ein Online-Spiele-Portal mit Casino- und Pokerspielen, was aufgrund dieser gut durchdachten Offline-Marketing-Kampagnen in zahlreichen Medien „beworben“ wurde.

Inwieweit man Nike nun als Ambusher bezeichnen möchte, das sei jedem selbst überlassen. Ambush Marketing schließt ja, mit der gesamten Negativbedeutung, etwas Hinterhältiges ein, etwas Parasitäres und total Schlechtes! Seinen Namen in Negativschlagzeilen bringen und damit mit glitschigem Illegal-Schlamm bewerfen kann ja wohl nicht im Sinne des Sportausstatters sein. Diese Aktionen zwingt die Gesellschaft nun eben noch mehr, aus sportiven Großereignissen ein Marken- und Rechte-An- und Verkauf zu machen und dies damit über die sportlichen Leistungen zu stellen. Schade eigentlich, aber am Ende gehts doch immer nur ums Geld.

Nun denn. Was uns da wohl im Jahre 2008 erwartet? Schließlich finden bald die Olympischen Spiele in Peking statt. Wir dürfen gespannt sein! Auf jeden Fall lohnt es sich bestimmt, ab und zu mal ganz genau hinzuschauen. Sofern das chinesische Fernsehen nicht alles beschnippelt, beschneidet und zensiert, wird man wohl oder übel wieder das ein oder andere lecker Ambush-Häppchen sehen. Hoffen wirs.

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